Plakate malen, Müll trennen und für die Umwelt demonstrieren ist schon gut. Wer aber wirklich richtig was bewegen will, muss an die Schaltstellen. Und das geht nur als Ingenieur.

Gehirnschmalz für Mutter Natur: Wenn es die Umwelt schützt, ist ziemlich sicher, dass ein Ingenieur dahinter steht.
Gehirnschmalz für Mutter Natur: Wenn es die Umwelt schützt, ist ziemlich sicher, dass ein Ingenieur dahinter steht.

Nein, wir wollen nicht euer Tun schmälern. Ganz im Gegenteil. Denn gäbe es nicht so viele Privatleute da draussen, die ihre Joghurtbecher sorgsam vom Metalldeckel trennen und selbst die sperrigsten Einkäufe noch im Stoffbeutel mit der Tram nachhause bringen, dann wäre unsere Umwelt heute in ziemlich grösseren Schwierigkeiten, als sie es eh schon ist – auch wenn manche gern auch noch mehr tun könnten. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die richtig krassen Sachen, die der Umwelt zugutekommen, meist von wahren Technik-Nerds erfunden wurden. Ob Katalysator, E-Auto-Akku oder Windrad, alles ist das Werk von Ingenieuren. Und diese unbesungenen Umwelthelden schauen wir uns jetzt mal genauer an.

 

Wenn‘s praktisch wird, muss der Ingenieur ran

Der Job eines Ingenieurs ist eigentlich einfach: Mit seinem geballten Wissen aus Mathematik, Technik, Physik und Chemie denkt er sich Lösungen für Probleme aus. Handfeste Lösungen muss man sagen, denn Ingenieure sind nicht die theoretischen Denker, die an der Tafel stehen und mit langen Formeln irgendwelche Nachweise erbringen. Nein, sie sind es, die tatsächlich praktische Anwendungen für etwas finden.
Und so sieht es bei allem anderen aus: Die Ingenieure transferieren die Theorie, die von anderen

Wie behalte ich Qualität und Preis, senke aber Verbrauch und Umweltbelastung? Solche Fragen sind des Ingenieurs täglich Brot.
Wie behalte ich Qualität und Preis, senke aber Verbrauch und Umweltbelastung? Solche Fragen sind des Ingenieurs täglich Brot.

aufgestellt wurde, in die Praxis. Ja, selbst die Maschine, die eingesammelte PET-Flaschen zu handlichen Würfeln verpresst, wurde von einem Ingenieur erfunden.Ein Beispiel: Physiker und Chemiker tüfteln gerade an einer neuen Akku-Generation, die statt Lithium auf Natrium basiert. Sie führen aber nur den theoretischen Beweis, dass ein solches Prinzip überhaupt funktioniert. Dann kommt jedoch der Ingenieur. Er muss die Prinzipien auf das echte Leben transferieren. Muss sich Gedanken darüber machen, wie künftige Akkus beschaffen sein müssen, um ähnlich komfortabel zu funktionieren, wie die beliebten Lithium-Ionen-Tanks. Es geht aber auch noch praktischer: Beim grossmassstäblichen Drucken etwa ist eine Reihe von festgelegten Schritten erforderlich. Um Druckdaten auf die Druckplatten und letztendlich das Papier zu bringen, sind normalerweise belichtete Filme vonnöten. Auftritt Ingenieure: Diese feilten so lange an dem Prinzip, bis man technisch sicher und vor allem wirtschaftlich direkt ohne die Filme die Druckplatte belichten konnte. Das spart einen teuren Zwischenschritt und die Umwelt profitiert davon, dass die ganze Chemie zur Entwicklung der Filme nicht mehr benötigt wird.

 

Jede Menge Gehirnschmalz – und Mathe

Natürlich ist damit ziemlich klar, dass der Ingenieursberuf nichts für die Charaktere ist, für die die naturwissenschaftlichen Fächer in der Schule immer nur eine Qual waren. Denn um Lösungen finden zu können, muss man eben aus dem Stehgreif wissen, wie alles funktioniert.

Und hier kollidiert die Schweiz (wie die meisten anderen europäischen Länder) gerade massiv mit

Ingenieursstudiengänge verlangen extrem viel Selbstdisziplin. Lernen bis spät in die Nacht ist dort keine Ausnahme, sondern die Regel.
Ingenieursstudiengänge verlangen extrem viel Selbstdisziplin. Lernen bis spät in die Nacht ist dort keine Ausnahme, sondern die Regel.

einem mehr oder weniger stagnierenden Bildungssystem in Kombination mit immer grösseren technischen Anforderungen – klar, alles was einfach ist, haben die bisherigen Ingenieursgenerationen ja auch schon in die Praxis umgesetzt. Es herrscht also ein wirklich eklatanter Mangel an Ingenieuren. Zu schwer, zu trocken. Das ist das Wehklagen vieler, die sich für Ingenieurswissenschaften einschreiben. Da wundert es auch nicht, dass die Abbrecherquoten ziemlich hoch sind. Fast die Hälfte aller Studierenden, die den Ingenieursweg einschlagen, hält diese Tortur nicht durch.

Ein Problem ist aber auch der Aufbau der Studienfächer: Über einen grossen Teil des gesamten Studiums haben diese wenig gemeinsame Überschneidungspunkte. Hier nur Mathematik, da nur Technik. Erst kurz vor dem Abschluss fügt sich alles zusammen und die angehenden Ingenieure erleben hautnah, wie die bisher eigenständigen Dinge, die sie erlernten, ineinandergreifen wie ein perfektes Schweizer Uhrwerk.

 

Die Ingenieure, die für die Umwelt arbeiten

Was muss man mitbringen, um in dieser Welt zu bestehen? Nun, eigentlich ist es nur ein Sammelsurium weniger Eigenschaften:

  1. Basis ist ein blitzschnelles Verständnis für komplizierte Zusammenhänge. Wer also auf sowas komplexes wie ein Autogetriebe schaut, sollte zumindest nach ein paar Minuten verstehen, wie die Sache funktioniert.
  2. Eine Liebe zu Mathematik, Physik und Chemie ist ebenfalls unabdingbar. Man muss kein Klassenprimus sein, aber zumindest sollte man in den Fächern zu den besseren in der Klasse gehören.
  3. Hartnäckigkeit wird oft vergessen. Niemand versteht alles auf Anhieb. Ingenieure (und solche, die es werden wollen) haben jedoch die Fähigkeit, selbst die härtesten Nüsse so lange zu bearbeiten, bis sie sich endlich öffnen.

Diese drei Punkte muss jeder Ingenieur vorweisen können. Egal welche Form er letztendlich studiert. Doch damit kommen wir auch zu einem weiteren Punkt: Welcher Ingenieur willst Du eigentlich werden, um der Umwelt zu helfen?

Werfen wir einen Blick auf die Fächer, die in der Schweiz unterrichtet werden.

Ingenieursstudiengänge verlangen extrem viel Selbstdisziplin. Lernen bis spät in die Nacht ist dort keine Ausnahme, sondern die Regel.
Ingenieursstudiengänge verlangen extrem viel Selbstdisziplin. Lernen bis spät in die Nacht ist dort keine Ausnahme, sondern die Regel.

Dabei sei erwähnt, dass jeder Ingenieur irgendwie mit Naturschutz zu tun hat, auch wenn „Umwelt“ nicht direkt auf dem Abschlusszeugnis steht. Der Bauingenieur muss natürlich wissen, welche Dämmungen, Materialien und Heizungsanlagen Mutter Natur den meisten Nutzen bringen. Und oft genug entwickeln diese Profis in ihrem Feld auch erst die Elemente, die dafür sorgen, dass Wohnungen weniger Strom, Wasser, Gas verbrauchen. Jedoch gibt es ein paar Fächer, die nur die Umwelt im Fokus haben:

  • Bachelor Energie- und Umwelttechnik. Nachhaltigkeit und erneuerbare Energien sind der Kern dieses Studienfachs. Hier werden die Ingenieure ausgebildet, die später bei den Energieversorgern arbeiten und immer weiter daran feilen, dass Umwelttechnik noch sparsamer, noch effizienter wird.
  • Umweltingenieure sind dagegen weniger auf das Technische fokussiert, denn das Natürliche. Prozesse in der Landwirtschaft, Energieproduktion auf dem Acker, Bodensanierung und das Einrichten und Erhalten von Naturschutzgebieten sind ihre Hauptaufgabe. Aber sie finden sich auch in Verwaltungen von Grossstädten, um die innerstädtischen Lebensräume nach ökologischen Gesichtspunkten zu verbessern.

Allerdings sollte man jetzt nicht glauben, dass der Umweltingenieur während des Studiums weniger technisch (lies: weniger anspruchsvoll) sei. Er hat nur einen anderen Schwerpunkt.

 

Fazit

Wenn dir die Umwelt am Herzen liegt, wenn Du richtig gerne in den Naturwissenschaften unterwegs bist und Du selbst in der Lage bist, deine Motivation immer auf höchstem Niveau zu halten, dann solltest Du definitiv über ein Ingenieursstudium nachdenken. Hier wird letztendlich alles erfunden, was Mutter Natur unter die Arme greift. Und, denn auch das gehört dazu: Wer einen solchen Abschluss in der Tasche hat, muss sich über Gehälter keine Gedanken mehr machen, denn Ingenieure werden ausnehmend gut bezahlt.

 

 

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