Schweden befindet sich derzeit in einer regelrechten Recycling-Revolution: Die Regierung will Steuersenkungen für Reparaturen einführen, um der Wegwerfkultur endlich ein Ende zu setzen.

Schweden will der Wegwerfkultur mit deutlichen Steuersenkungen für Reparaturen den Kampf ansagen
Schluss mit dem Wegwerfen: Schweden will die Steuern für Reparaturen senken (Foto: © ADDICTIVE STOCK / Adobe Stock)

Wohin mit kaputten Velos, defekten Waschmaschinen und abgetragener Kleidung? Die einfachste Antwort lautet nach wie vor: Ab in den Müll mit dem alten Kram. Und dann einfach etwas Neues kaufen. Denn das ist häufig die stressfreieste und günstigste Variante – aber eben auch eine ziemlich verschwenderische, liessen sich das riesige Loch im Hosenbein oder die kaputte Wäschetrommel doch eigentlich ganz leicht reparieren. Schwedens rot-grüne Regierung will das ab sofort ändern. Politiker haben jüngst ein Gesetz vorgestellt, das die Umsatzsteuer, die auf Reparaturen von Gebrauchsgegenständen anfällt, auf 12 Prozent senkt. So will das Land nicht nur der Wegwerfkultur den Kampf ansagen, sondern auch den verantwortungsvollen Umgang der Gesellschaft mit unserer Umwelt fördern.

Ob Kühlschrank, Staubsauger oder Bügeleisen – in Schweden lautet die Devise „Recycling“

Neben der Steuersenkung für Reparaturen von Gebrauchsgegenständen sollen mit dem neuen Gesetz auch die Kosten für die Instandsetzung defekter Haushaltsgeräte steuerlich absetzbar werden. Damit würden Privatpersonen die Hälfte der gezahlten Kosten für die Reparatur von Kühlschränken, Mikrowellen und Co. von ihrem zu versteuernden Einkommen abziehen können. Die Steuersenkung soll Berechnungen zufolge in Schweden zu staatlichen Mindereinnahmen von etwa 270 Millionen Kronen jährlich führen – hinzu kommen die rund 190 Millionen Kronen für den Abzug von anfallenden Reparaturkosten von der Einkommenssteuer.

Wie wirkt sich Schwedens grüner Daumen auf andere steuerliche Bereiche aus?

Einen kleinen Haken, wenn man das denn überhaupt als Haken bezeichnen kann, hat die Idee: Um die Mindereinnahmen auszugleichen und um neue Recycling-Anlagen bauen zu können, soll ebenso eine Art Chemie-Steuer auf Geräte eingeführt werden, in denen Flüssigkeiten und Materialien verwendet werden, die nur schwer zu entsorgen sind. Diese soll mit umgerechnet rund 220 Millionen Schweizer Franken etwa vier Mal so viel reinbringen, wie der Nachlass für die Reparaturen kostet. Kein Wunder also, dass Schwedens Regierung vorgeworfen wird, die Wegwerf-Schranke nur dann finanzieren zu können, indem Steuern an anderen Stellen erhöht werden. Insgesamt finden wir den Vorstoss aber durchaus begrüssenswert, schliesslich haben Steuern ja nicht nur eine finanzielle Komponente, sondern zugleich auch immer eine Lenkungsfunktion. Und die Steuermassnahmen haben zur Folge, dass entweder umweltfreundliches Verhalten belohnt oder eben unerwünschte Verhaltensweisen mit zusätzlichen Kosten verbunden sind.

 

Mit Material von theguardian.com, facebook.com