Obdachlosigkeit und ein erfolgreiches Leben als Model – wie passt das zusammen? Der New Yorker Mark Reay arbeitet als Fotograf und Model – und schlief sechs Jahre lang auf der Strasse.

Model und Obdachlosigkeit: Mark Reay in New York
Obdachlosigkeit und Model-Dasein in New York (Screenshot via: YouTube)

Die Haare sitzen, der Anzug auch. Mark Reay ist ein gutaussehender Mann, 56 Jahre alt, erfolgreiches Model, Fotograf – und obdachlos. Tagsüber arbeitet er in der Fashion-Metropole New York, nachts schläft er auf dem Dach eines Wohnhauses in einer Plastikplane. Der Dokumentationsfilm „Homme Less“ des österreichischen Filmemachers Thomas Wirthensohn erzählt aktuell Reays Geschichte: Im Jahr 1984 in Südfrankreich entdeckt, modelte der Amerikaner fortan für bekannte Marken wie Versace oder Moschino. Er sieht die ganze Welt, arbeitet in Rio de Janeiro und New York. Die Aufträge reichen jedoch einfach nicht aus. Im Jahr 2006 kratzt Mark Reay schliesslich sein letztes Geld zusammen und bucht einen Flug von Frankreich zurück nach New York City. Innerhalb von zwei Jahren ist auch sein letztes Erspartes endgültig aufgebraucht – 2008 steht er auf der Strasse. Familie oder Freunde will er aus Stolz nicht um Hilfe bitten. Stattdessen versucht er, als Obdachloser über die Runden zu kommen.

„Ich war immer sauber und stilvoll gekleidet“

Reay hält seine Armut vor seiner Umwelt geheim. Nichtsdestotrotz verdient er genug, um Mitglied in einem Fitnessstudio zu werden: „Ich weiss, das klingt seltsam“, erzählt Reay, „aber so hatte ich für 70 Dollar im Monat eine Dusche, Strom und eine Toilette. Ausserdem konnte ich meine Kameraausrüstung einschliessen.“ Stets sei er sauber und stilvoll gekleidet gewesen – sein Aussehen ist schliesslich sein Kapital. So sei auch in der glitzernden Modemetropole New York nicht aufgefallen, dass er keine Wohnung hatte: „Ich hatte Jobs als Fotograf und ging zu Castings.“ Rund 30.000 Dollar pro Jahr verdient Reay so – nicht genug für ein Appartement in der teuren Grossstadt. Die Obdachlosigkeit war die einzige Möglichkeit, weiterhin in seinem Job arbeiten zu können. Mittlerweile lebt der 56-Jährige gemeinsam mit seiner Mutter in einem kleinen Appartement in New Jersey. Sie wusste bis jetzt nichts von seiner sechsjährigen Obdachlosigkeit – wie sonst auch niemand. Der Dokumentarfilm über ihren Sohn wird das nun ändern. Der New York Post sagte Reay hierzu: „Ich bin stolz, meine Geschichte zu erzählen und Teil dieses Films zu sein. Das gibt mir Hoffnung für die Zukunft.“

 

Mit Material von welt.de