Blues ist okay, nicht nur als musikalisches Beruhigungsmittel im stressigen Alltag. Herbst-Blues allerdings – ist eine ganz andere Angelegenheit. Weil er Körper und Geist nicht nur beruhigt, sondern lähmt. Zeit also, der drohenden Antriebslosigkeit den Kampf anzusagen.

Die morgendliche Müdigkeit kennt wohl jeder, aber die dunklere Jahreszeit tut noch ihr Übriges und schon sorgt der Herbst-Blues für andauernde Abgeschlagenheit.

Die Tage werden dunkler, die Temperaturen sinken und der Regen klopft häufiger an die Scheiben. Der Herbst zeigt sich seit kurzem wieder in seiner vollen «Pracht». Während die einen die kältere Jahreszeit durchaus zu schätzen wissen, gibt es andere, denen sie samt ihrer Begleiterscheinungen aufs Gemüt schlägt. Doch bei Miesepeter-Stimmung und körperlichem und seelischem Unwohlsein stehen euch allerlei Gegenmittel zur Verfügung – so kommen Körper und Geist schnell auf herbstliche Betriebstemperatur.

 

#1: Auf einen Sprung ins warme Nass

Um sich von dem Herbststurm vor der Haustür abzulenken und ein wenig frische Lebensenergie zu tanken, lohnt es sich nicht nur zu Wärmezwecken ein wohltuendes Vollbad zu nehmen. Für einen entspannten Körper und Geist sorgen nicht nur duftende Badezusätze oder ein Massage-Schwamm, sondern zudem angenehm temperiertes Badewasser und eine optimale Badezeit.

Probates Mittel gegen das kalte Nass draussen: Ein Vollbad ist im Herbst eine echte Wohltat.
Probates Mittel gegen das kalte Nass draussen: Ein Vollbad ist im Herbst eine echte Wohltat.

Für den Wohlfühlfaktor sind 37 Grad perfekt, also wenn Wasser- und Körpertemperatur auf einem Level liegen. Ist das Wasser zu heiss, wird der Kreislauf belastet und der Körper kann nicht in die volle Entspannungsphase kommen. Die optimale Badezeit liegt zwischen zehn und zwanzig Minuten. Wird zu lange geplantscht, wird dem Körper Fett entzogen. Klingt vielleicht vielversprechend für alle Abnehmwilligen, allerdings trocknet dadurch die Haut aus, was im Herbst ohnehin ein verbreitetes Problem ist. Damit die natürliche Schutzschicht und die Gesundheit der Haut erhalten bleiben, solltest du dich nicht nur nach jedem Bad eincremen, sondern auch morgens und abends. Neben dem Cremeprogramm, ist die Haut mindestens alle zwei Wochen mit einem Peeling zu versorgen, damit die spröde und trockene Haut entfernt und die Hauterneuerung unterstützt wird.

 

Klar, für das volle Verwöhnprogramm ist nicht jeden Morgen Zeit und es muss möglichst schnell möglichst fit in den Tag gehen können. Um den Kreislauf schnell anzukurbeln: Heiss-kalte Wechselduschen machen. Die straffen gleichzeitig die Haut und helfen Erkältungen im Herbst vorzubeugen, da der Körper durch die kalten und warmen Reize «abgehärtet». Eine allmorgendliche Stärkung für das Immunsystem. Und obwohl jeder Mensch bis zu 300 Erkältungen im Leben durchmacht, müssen Schnupfnasen, tränende Augen und Co. nicht provoziert werden.

 

#2: Werde selbst zum Sorgenfresser

Schon wieder regnet es draussen, Arbeits- und Heimweg werden im Dunkeln bewältigt, dazwischen neblige Trostlosigkeit und Neonlicht. Nachvollziehbar, dass das auf die Stimmung schlägt. Greift deshalb zu etwas, das stattdessen gute Stimmung verbreitet und wenigstens die  Sonne im Herzen zum Scheinen bringt – wie gutes Essen.

Natürlich, die Geschmäcker sind verschieden, aber besonders Vollkorn, Nüsse, Bananen und Milchprodukte sind der kleinste gemeinsame Nenner, wenn es um die Bildung von Glückshormonen geht. Und die Möglichkeiten für einen glücklichen Start in den Tag sind damit ja immer noch recht vielfältig.
Abends können es dann zum Fisch, zum Ofengemüse oder zur  Hähnchenbrust ein paar Nudeln oder Kartoffeln sein, denn die regen durch ihre komplexen Kohlenhydrate die Produktion des Glückshormons Serotonin an. Dazu oder danach ein grüner Tee, denn der wärmt dich nicht nur auf, sondern wehrt durch die enthaltenen Polyphenole unliebsame freie Radikale ab. Das hilft gegen Schnupfnasen und schlechte Stimmung. Als flüssiger Immunsystem-Stärker, entweder als Zwischen- oder Hauptmahlzeit am Morgen, kannst du dir zudem einen vitaminreichen Smoothie mixen.

Gut für Gesundheit und gute Laune, deswegen sind (grüne) Smoothies an trüben Herbsttagen eigentlich unverzichtbar.
Gut für Gesundheit und gute Laune, deswegen sind (grüne) Smoothies an trüben Herbsttagen eigentlich unverzichtbar.

Aber einfach alles in den Mixer, was einem an vitamin- und nährstoffreichen Lebensmitteln in die Finger kommt? Eher nicht. Denn damit der Körper die Nährstoffe leichter aufnehmen und verwerten kann, sollte auf die richtigen Grundkombinationen für den stimmungsaufhellenden Smoothie geachtet werden. Mit dem gesunden Obst-Gemüse-Mix steigt nicht nur die Laune, sondern damit pushst du auch deinen Vitaminhaushalt im trüben, nass-kalten Herbst. Besonders gut für das Immunsystem sind zudem grüne Smoothies wegen der Vitamine, Mineralstoffe und sekundären Pflanzenstoffe, die im Blattgrün enthalten sind.

Grün allein macht aber nicht zwingend glücklich, egal wie gesund es macht. Deshalb ist ab und zu, in moderater Dosierung, selbstverständlich auch ein Stück Schokolade gegen den Herbst-Blues erlaubt. Und eigentlich sogar gewünscht, da diese bekanntermassen für Glücksmomente sorgt und trübe Stimmung vertreibt. Am schnellsten geht das schokoladige Glücksgefühl übrigens in flüssiger Form durch den Körper. Für zwei Tassen heisse Schokolade braucht es etwa 500 ml Milch, 75 Gramm Zartbitterschokolade und 4 Esslöffel angeschlagene Sahne.

 

#3: Bewegung, Bewegung, Bewegung

 

«Gehen wir eine Runde spazieren?» Beim Blick nach draussen fällt es gerade im tristen Herbst oft nicht so leicht, sich für einen Spaziergang zu motivieren. Das kennt wohl jeder an so manch einem Herbsttag nur allzu gut. Drinnen ist es gerade so schön bequem, mit Kuscheldecke und dem Tee in der Hand, was könnte da schon nach draussen locken? Doch wer lieber drinnen im Warmen hocken bleibt, sollte sich immer wieder sagen, dass bereits eine halbe Stunde an der frischen Luft ausreicht, um die Stimmung zu heben.

Eine halbe Stunde pro Tag an der frischen Luft hebt im Herbst schon den Serotonin-Spiegel.
Eine halbe Stunde pro Tag an der frischen Luft hebt im Herbst schon den Serotonin-Spiegel.

Denn trotz bedecktem Himmel ist es im Freien heller als drinnen und die Produktion von Melatonin – der Gegenspieler des Glückshormons Serotonin – schöpft ihre Energie aus der Dunkelheit. Der alltägliche Spaziergang an der frischen Luft sorgt deshalb für ein ausgeglichenes Verhältnis von Serotonin und Melatonin im Körper.

Wenn du die Ausschüttung des Glückshormons noch verstärken möchtest, dann heisst es: Sportlich aktiv werden. Draussen kann es dann auf die Walking- oder Joggingtour gehen. Aber auch für verregnete Tage gibt es mit Yoga, einem abwechslungsreichen Tanzprogramm oder dem Workout im Fitnessstudio Alternativen, um die Serotonin-Produktion in Gang zu bringen. Damit das Training gegen den Herbst-Blues wirkt und physische sowie psychische Gesundheit in Einklang bringt, solltest du dir ein effektives, individuelles Trainingsprogramm zusammenstellen. So hast du auch genug Ziele vor Augen, um gar keinen Gedanken mehr an die herbstliche Trübsal zu verschwenden. Plus eine Extraportion Motivation zur Bekämpfung des Herbst-Tiefs, die ganz sicher kaum schaden kann.

 

#4: Die Kraft von Duft und Farbe

Nach dem Bewegungsprogramm kann vor allem am Abend Kerzenlicht als Stimmungsaufheller und angenehme Duftquelle dienen. Denn mit bestimmten Düften werden oft schöne Erinnerungen in Verbindung gebracht, die ganz schnell Herbst-Blues Herbst-Blues sein lassen. Die Palette der Düfte reicht mittlerweile nicht nur bei Kerzen, sondern auch bei Räucherstäbchen von den Duftnoten Vanille bis hin zu Honig, Kiefernzweigen oder Marshmallow.

Wobei sich im Herbst vor allem Düfte mit einer aktivierenden und stimmungsaufhellenden Wirkung eignen: Lemongrass zum Beispiel belebt die Sinne und hält wach, Lavendel beruhigt und bringt entspannten Schlaf, Vanille nimmt Stress und Ärger und Sandelholz sowie Rose wirken harmonisierend und nehmen die Traurigkeit.

In Kombination mit einer beruhigenden Farbe werden die Duftkerzen zu einem einfachen und doch wirksamen Mittel gegen miese Herbstlaune. Denn Farben können nachweislich Einfluss auf euer Gefühlsleben nehmen. Also im Herbst bitte immer nur her mit Deko-Elementen in leuchtendem Orange oder Gelb, um die Stimmung zu heben. Die Farbe Rot sorgt dagegen für innere Wärme und grüne Elemente für Besänftigung der vom Herbst-Blues geplagten Seele.

 

#5: Trübe Stimmung einfach wegkuscheln

Mit seinem Liebsten auf der Couch kuscheln, das sorgt für Glückmomente und hebt die Stimmung. Nach etwa 20 Sekunden wird das Stresshormon Cortisol gehemmt.
Mit seinem Liebsten auf der Couch kuscheln, das sorgt für Glückmomente und hebt die Stimmung. Nach etwa 20 Sekunden wird das Stresshormon Cortisol gehemmt.

Freudestrahlende Passanten, die Schilder mit der Aufschrift „Hug me“ oder „Free Hug“ durch die Fussgängerzonen tragen. Sie verteilen mittlerweile in manch einer Stadt einen kurzen Moment der Freude und des Glücksgefühls an alle, die es benötigen. Mit Erfolg, denn nach etwa 20 Sekunden knuddeln oder umarmen schüttet der Körper das Hormon Oxytocin aus, welches gleichzeitig das Stresshormon Cortisol zurückhält.

Cortisol ist zwar als Entzündungshemmer wichtig, aber ein zu hoher Cortisol-Spiegel kann das Immunsystem schwächen. Was keine gute Voraussetzung für das Überstehen des Herbst-Blues ist – also, bitte ausgiebig kuscheln! Kuscheln sorgt nicht nur für das angenehme Gefühl der Geborgenheit und für Wärme, sondern hilft auch Stress und Ängste abzubauen. Zudem wirken sich nach US-Forschern bereits zehn Minuten Händchenhalten durch eine blutdrucksenkende Wirkung positiv auf das Herz aus. Kurzum, Kuscheln bewirkt:

 

  • Stressabbau
  • Abbau von Ängsten
  • Aktivierung des Immunsystems und Stärkung des Herz-Kreislauf-Systems
  • generelles Wohlempfinden und Glücksmomente

 

Deshalb mit dem Kuscheln nicht bis zum Weltkuscheltag am 21. Januar warten, denn so lange sollte der Herbst-Blues wirklich nicht mitgeschleppt werden. Und natürlich entfalten sich die positiven Wirkungen von Kuscheln oder Umarmungen besonders gut, wenn die Personen sich nahestehen. Doch mittlerweile gibt es sogar organisierte Kuschelabende, an denen mit Fremden gekuschelt wird. Jeder Teilnehmer muss sich dabei an gewisse Regeln halten, die ein Kuschel-Knigge vorgibt.

 

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Bilder:

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