Der Boxer Olli Mäki ist mehr als nur der finnische Rocky Balboa. Und der Juho Kuosmanen inszeniert seine Geschichte auf faszinierende Weise.

In den nächsten Tagen folgen an dieser Stelle Kritiken zu den schönsten Filmen vom Zurich Film Festival. So wisst ihr bereits jetzt, welche kommenden Filme ihr nicht verpassen dürft.

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Kuosmanens Film spielt anfangs der 60er-Jahre. Dieses wurde aber nicht nur durch die Garderobe und die Einrichtung des Sets erreicht. Der Regisseur «Hymyilevä mies», auf Englisch «The Happiest Day in the Life of Olli Mäki» verwendete 16mm-schwarzweiss-Filme, die fast nicht mehr erhältlich sind, damit auch die Materialität des Films auf die Zeit der Handlung abgestimmt ist. Es ist unter anderem diese Liebe zum Detail, die «Hymyilevä mies» zu einem herausragenden Film machen.

 

«Hymyilevä mies» basiert auf der Lebensgeschichte des finnischen Profiboxers Olli Mäki, der 1962  die Chance erhält im eigenen Land den amtierenden Weltmeister aus Amerika, Davey Moore, herauszufordern. Der Traum jedes Sportlers – könnte man meinen. Von Ehrgeiz gepackt träumt Ollis Manager Elis bereits vom ersten finnischen Weltmeistertitel. Dem eigentlichen Star jedoch wird der ganze Rummel zu viel. Ein Sponsorentermin jagt den nächsten, von den ganzen Fotoshootings und Pressekonferenzen ganz zu schweigen. Und weil der historische Kampf auch noch in einem Dokumentarfilm festgehalten werden soll, kann sich Olli vor lauter Kameras nicht einmal mehr bei seinem Training auf seine Vorbereitung konzentrieren. Und sowieso ist der grosse Titelkampf zur Zeit Ollis geringste Sorge. Er hat sich kurz vor seinem Trainingscamp Hals über Kopf in die junge Rajia verliebt.  Olli würde am liebsten seine Zeit mit ihr verbringen, ganz zum Ärger seines Managers. Und lange Spaziergänge sind nun einmal keine Vorbereitung auf einen Profiboxkampf.

 

Juho Kuosmanen inszeniert Olli Mäkis grössten Kampf auf eine mitreissende Art und Weise. Und obwohl durch die Wahl des Schwarzweissfilms die historische Einordnung überdeutlich gemacht wird, wirkt die Geschichte absolut zeitlos. Dies nicht zuletzt auch wegen den überragenden Leistungen der Schauspieler. Gerade die stetig steigende Diskrepanz zwischen Olli (Jarkko Lathi) und seinem Manager und Förderer Eli (Eero Milonoff) erwacht auf der Leinwand zu lebendigen Bildern. Während Olli immer unwohler bei seinen Vorbereitungen wird und er nur bei Rajia Verständnis und Geborgenheit findet, steigert sich Elis Wut und Frustration ins Unermessliche. Kein Wunder also, dass der Film bereits bei seiner Premiere in Cannes die Kritiker überzeugte und einen Preis gewann. Die Siegesserie konnte in Zürich fortgesetzt werden: «Hymyilevä mies» gewann den Jurypreis in der Kategorie «Internationaler Spielfilm». Der logische nächste Schritt ist die ganz grosse Bühne: Die Geschichte Olli Mäkis gilt als Anwärter auf den Oscar für den besten fremdsprachigen Film.

 

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  • Titel: Hymyilevä mies / The Happiest Day in the Life of Olli Mäki
  • Regisseur: Juho Kuosmanen
  • Jahr: 2016
  • Kinostart: unbekannt